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Familiengeschichte von Otto und Herta Schier

Item 93

Transcription: 36    Primitiver sind die Holzhäuser der Siedlung, in die meine Großeltern zogen. Sie wurden ebenfalls nach dem ersten Weltkrieg, aber für Flüchtlinge aus den Ostgebieten, gebaut. Ihre 15 Doppelhäuser im Blockhausstil waren ursprünglich alle mit Karbolineum gestrichen und hatten grüne Fensterläden. Durch die zunächst mit Dachpappe gedeckten Dächer sahen die Gebäude fast schwarz aus und brachten der Siedlung im Volksmund den Namen "Negerdorf" ein. Je Doppelhaushälfte gab es zwei Zimmer, eine Küche und eine Toilette. Der Wasserhahn mit Ausguß befand sich im Flur. Weil der Stadt Berlin der Unterhalt zu aufwendig wurde, verkaufte sie die Häuser an die dort wohnenden 30 Familien für insgesamt 100 Goldmark. Allerdings war daran die Auflage geknüpft, eine Genossenschaft zu gründen. So entstand die   "Siedlungs- und Wirtschaftsgenossenschaft                                Holzhaussiedlung Johannisthal, Oststraße                                Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftung". Diese Genossenschaft wurde Eigentümerin der Häuser Oststraße 32 - 52, die Männer der dreißig Mietparteien wurden Mitglieder. Für die Grundstücke bekam die Genossenschaft von der Stadt Berlin 1926 einen Erbbauvertrag, der zunächst auf 30 Jahre befristet war.

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Familiengeschichte von Otto und Herta Schier

Item 91

Transcription: 34 Ullstein, wird fertiggestellt. Trotz vieler Arbeitsloser boomt Deutschlands größte Industriestadt. Die Frauen tragen Bubikopf, man tanzt Foxtrott, Shimmy, Tango und Charleston, man geht zum Sechstagerennen, in Revuen, Kabaretts, Operetten und Filme. Später bezeichnet man diese Zeit als "die goldenen Zwanziger".    Auch für meine Mutter, die von all diesen Dingen noch wenig mitbekam, war das eine herrliche Zeit. Als Nesthäkchen wurde Klein-Herta von allen verwöhnt. Da mein Opa jedoch immer nur Kurzzeitjobs hatte, die nicht so gut bezahlt wurden, faßte er 1927 den Gedanken ins Auge, zu seiner Schwester nach Amerika überzusiedeln. Onkel Hermi nahm schon zu Hause Privatunterricht in Englisch, den meine Mutter dadurch störte, daß sie an der Tür horchte, die neuen interessant klingenden Worte nachplallerte und durchs Schlüsselloch rief. Meine Oma konnte sich mit diesem Gedanken aber überhaupt nicht anfreunden. Sie war froh, als sie einen ihrer Meinung nach triftigen Grund gefunden hatte, die Sache abzublasen. Die amerikanische Schwester hatte nämlich schon Tickets besorgt, aber Onkel Hermi hätte mit einem anderen Schiff fahren müssen als der Rest der Familie. Dem stimmte meine Oma nicht zu, denn "was würde aus dem Jungen wereden, wenn das Schiff mit den Eltern untergeht". So blieb man in Berlin.

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Familiengeschichte von Otto und Herta Schier

Item 90

Transcription: 33  Urkunde   Deutsches Reich Preußen. Optionsurkunde. Auf Grund des Artilkels 91 des Vertrages von Versailles hat der Vor- und Zuname; Reinhold Janetzký Datum der Geburt: 21 Mai 1867 Ort der Geburt:  Gotschin  ( Fucdoberg ) Beruf: Justizwachtmeister Wohnsitz: Berlin-Neuköln durch die am 3. Januar 1922 bei — vor der Regierungs Polizeipräsidenten in Berlin eingengangene beglaubigte Erklärung — zu Protokoll abgegebene Erklärung — wirksam für die deutsche Reichsangehörigkeit optiert. Die Wirkung der Option erstreckt sich auf 1. seine Ehefrau Lydia geb Dohmke, geboren am 3 Juni 1883 in Sliwno 2. folgende Kinder: a. Hermann, geboren am 19.8.07 in Posen b. Hertha, geboren am 6.7.19 in  -"-  Stempel  : Berlin-                  Gothaer Str 10 den 20. Juli 1923 Der Preußische Regierungs Polizeipräsident  Unterschrift   Stempel außer Ansatz gemäß Staats- ministerialbeschluß vom 3. Dezember 1922 I. 027 2287/22  Urkunde Ende      Berlin durchlebt gerade eine aufregende Zeit. 1923 erricht die Inflation ihren Höhepunkt. Viele Betriebe zahlen Teillöhne in Naturalien aus. Im November kostet ein Brot etwa 80 Milliarden Mark. Als 1924 die Reichsmark eingeführt wird, normalisiert sich langsam alles wieder. Inzwischen gibt es in Berlin auch den ersten Großflughafen Tempelhof. Es werden nach Plänen von Taut, Salvisberg und Scharoun Großsiedlungen gebaut. Auf dem Berliner Messegelände, für das viele Berliner ihre Laube räumen müssen, findet die erste Funkausstellung statt. Bei der dritten im Jahre 1926 wird Berlins neues Wahrzeichen, der Funkturm, eingeweiht. Die erste Grüne Woche startet in den Messehallen unter dem Funkturm, und das seinerzeit größte Druckhaus Europas,

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Familiengeschichte von Otto und Herta Schier

Item 89

Transcription: 32 Während heute Zweitwohnsitze komplett eingerichtet sind, bestellten meine Großeltern im Frühjahr und Herbst ein Pferdefuhrwerk und ließen damit den benötigten Hausrat incl. Betten umsetzen. Mein Opa arbeitete als Prüfer bei einer Holzfirma in der nahegelegenen Nalepastraße. 1926 drehte die Ufa einen Dokumentarfilm über das Leben in der Laubekolonie. Klei-Herta wurde häufig zu den Dreharbeiten geholt und somit zu einer Hauptdarstellerin des Film "Land in der Sonne". Mit Hilfe von zwei größeren Mädchen lernte sie dort als kleines Kind auch schon schwimmen. Als "Auftriebshilfe" dienten aneinander gebundene, zugelötete, leere Blechdosen. Nach ihrer Einschulung mußte sich meine Mutter täglich mit der Fähre übersetzen lassen, um dann vom Bahnhof Baumschulenweg mit einem Dampfzug zum Görlitzer Bahnhof zu fahren und danach einen Fußweg von fünfzehn Minuten bis zur Schule zurücklegen.    Inzwischen waren die Mitglieder der aus Posen kommenden Familie auch wieder richtige Deutsche geworden. Am 20. Juli 1923 erhielten sie die Optionsurkunde. "Auf Grund des Artikels 91 des Vertrages von Versailles hat Reinhold Janetzky durch die am 3. Januar 1922 vor dem Polizeipräsidenten in Berlin abgegebene Erklärung wirksam für die deutsche Reichsangehörigkeit optiert. Die Wirkung erstreckt sich auf seine Ehefrau Lydia geb. Dohnke und die Kinder Hermann und Herta."

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Familiengeschichte von Otto und Herta Schier

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Description: Die Beiträgerin Edelgard Serick (geb. Schier) - zu sehen rechts auf ihrem Einschulungsfoto mit ihrer Freundin Ingrid, schreibt: "Vor über 20 Jahren habe ich für meine Kinder und Enkel unsere Familiengeschichte aufgeschrieben. Der erste der fünf Teile umfasst die Zeit von meiner Geburt Ende 1944 bis zu Einschulung 1950 (basierend im wesentlichen auf Erinnerungen meiner Mutter). Vielleicht ist Einiges ja interessant für Ihre Thematik '80 Jahre Kriegsende – Befreiung Europas'." Edelgard Serick wurde am 26. Oktober 1944 in Berlin als Tochter von Adolf Franz Otto Schier (1906 – 1984) und Margarete Anna Herta Schier, geb. Janetzky (1919 – 2011) geboren. In dieser Zeit arbeitete ihr Vater bei der DVL (Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt) und ihre Mutter bei der Sparkasse in Eichenwalde. Ihr Vater wurde durch seine Tätigkeit bei einem kriegswichtigen Betrieb nicht eingezogen. Gegen Kriegsende wurde er jedoch Mitglied des Volkssturmes und übernahm den Wachdienst während Luftangriffen in seinem Betrieb. Sein Arbeitgeber forderte einen Teil der Belegschaft auf, vor der Roten Armee in eine Zweigstelle der DVL nach Travemünde zu fliehen. Dort erlebte er das Ende des Krieges. Nach Kriegsende waren in der Siedlung in Berlin-Johannisthal, in der Edelgard Sericks Familie lebte, viele Häuser von russischen Soldaten besetzt. Da auch das Haus der Familie Serick besetzt worden war, lebten sie vorübergehend bei einer Nachbarin. Ihre Mutter erinnert sich an einen einfachen Soldaten aus Leningrad (heute St. Petersburg), der von ihr Deutsch lernen wollte. Er brachte heimlich ihrer Tochter Edelgard Lebensmittel mit. Ab Kriegsende bis einschließlich 1949 war ihr Vater bei der von der sowjetischen Besatzungsmacht errichteten ATB (Auto-Technischer Betrieb) angestellt. Zunächst legte er hier Maschinenteile für den Transport in die Sowjetunion auseinander, später erhielt er einen Verwaltungsposten im Unternehmen. Der Job brachte einen besonderen Vorteil: Neben den Lebensmittelkarten gab es jeden Monat eine Sonderration, die je nach Position unterschiedlich großzügig ausfielen. Ab 1949 arbeitete in einem neugegründeten technischen Betrieb. Während ihr Vater an den Maschinen arbeitete, machte sich ihre Mutter auf den Weg ins Berliner Umland, um Lebensmittel zu besorgen – wie viele Berliner damals. Die Unterlagen stammen aus dem Zeitraum von 1945 bis 1950. Sie enthalten mehrheitlich Dokumente des Vaters: Arbeitszeugnisse, ein Bericht des Vaters über das Büro des neuen Betriebs aus dem Jahr 1949, eine Ausweiskarte und ein polizeiliches Führungszeugnis sowie Bankdokumente von Edelgard Serick und ein Foto von ihrer Einschulung aus dem Jahr 1950. Der erste Teil der Familienerinnerungen von Edelgard Serick ist ebenfalls in der Story enthalten.

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Brief von Philipp Reemtsma an Wolf Erwin Alexander von Waldow

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Description: Der Brief stammt aus dem Nachlass meines Großvaters, Wolf Erwin Alexander von Waldow. Er war seit 1938/39 für die Firma Reemtsma, Hamburg, tätig und dort für den Bereich Orienttabake zuständig. Nach familiärer Überlieferung bestand ein gutes Verhältnis zur Familie Reemtsma. Nach dem Zweiten Weltkrieg musste mein Großvater das Unternehmen verlassen. Als Grund wird einerseits genannt, dass es für Orienttabake keine Abnehmer mehr gab. Eine alternative Überlieferung besagt, dass er seinen Posten zugunsten eines jüdischen Mitarbeiters räumen sollte, der 1938 emigriert war und nach Kriegsende zurückkehrte.

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Kennkarte Anna Weyland aus Mannheim von 1946

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Description: Kennkarte mit Foto, ausgestellt 10.9.1946 in Mannheim, gültig bis 10.9.1951. Gestempelt vom 10.POl.-Revier Mannheim mit Unterschrift des ausfertigenden Beamten. Gestempelt auf der Rückseite "politisch überprüft" vom Polizeipräsidium Mannheim und Datum 30.12.1947

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Postkarte, Urlaubsgrüße aus Westerland, Sylt von Lilo an Helga und Ilse Daume in Dresden, 08.08.1948

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Description: Lilo schreibt an Helga und Ilse Daume von ihrem Urlaub auf Sylt im Sommer 1948.

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Enrichments (2,998 Items)

 
 
 
 

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Familiengeschichte von Otto und Herta Schier

Item 93

Description: Foto von einem Umzug, Untertitel: "Umzugswagen der Siedlung zur 180.Jahrfeier von Johannisthal 1933"

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Familiengeschichte von Otto und Herta Schier

Item 91

Description: Foto: Zeppelin über dem Brandenburger Tor.

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Familiengeschichte von Otto und Herta Schier

Item 90

Description: Options-Urkunde zur Aufnahme in das Deutsche Reich.

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Familiengeschichte von Otto und Herta Schier

Item 89

Description: Familienfoto, Untertitel "Opa und Oma mit den Kindern Hermann und Herta"

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