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Familiengeschichte von Otto und Herta Schier
Item 90
Transcription: 33 Urkunde Deutsches Reich Preußen. Optionsurkunde. Auf Grund des Artilkels 91 des Vertrages von Versailles hat der Vor- und Zuname; Reinhold Janetzký Datum der Geburt: 21 Mai 1867 Ort der Geburt: Gotschin ( Fucdoberg ) Beruf: Justizwachtmeister Wohnsitz: Berlin-Neuköln durch die am 3. Januar 1922 bei — vor der Regierungs Polizeipräsidenten in Berlin eingengangene beglaubigte Erklärung — zu Protokoll abgegebene Erklärung — wirksam für die deutsche Reichsangehörigkeit optiert. Die Wirkung der Option erstreckt sich auf 1. seine Ehefrau Lydia geb Dohmke, geboren am 3 Juni 1883 in Sliwno 2. folgende Kinder: a. Hermann, geboren am 19.8.07 in Posen b. Hertha, geboren am 6.7.19 in -"- Stempel : Berlin- Gothaer Str 10 den 20. Juli 1923 Der Preußische Regierungs Polizeipräsident Unterschrift Stempel außer Ansatz gemäß Staats- ministerialbeschluß vom 3. Dezember 1922 I. 027 2287/22 Urkunde Ende Berlin durchlebt gerade eine aufregende Zeit. 1923 erricht die Inflation ihren Höhepunkt. Viele Betriebe zahlen Teillöhne in Naturalien aus. Im November kostet ein Brot etwa 80 Milliarden Mark. Als 1924 die Reichsmark eingeführt wird, normalisiert sich langsam alles wieder. Inzwischen gibt es in Berlin auch den ersten Großflughafen Tempelhof. Es werden nach Plänen von Taut, Salvisberg und Scharoun Großsiedlungen gebaut. Auf dem Berliner Messegelände, für das viele Berliner ihre Laube räumen müssen, findet die erste Funkausstellung statt. Bei der dritten im Jahre 1926 wird Berlins neues Wahrzeichen, der Funkturm, eingeweiht. Die erste Grüne Woche startet in den Messehallen unter dem Funkturm, und das seinerzeit größte Druckhaus Europas,
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Familiengeschichte von Otto und Herta Schier
Item 89
Transcription: 32 Während heute Zweitwohnsitze komplett eingerichtet sind, bestellten meine Großeltern im Frühjahr und Herbst ein Pferdefuhrwerk und ließen damit den benötigten Hausrat incl. Betten umsetzen. Mein Opa arbeitete als Prüfer bei einer Holzfirma in der nahegelegenen Nalepastraße. 1926 drehte die Ufa einen Dokumentarfilm über das Leben in der Laubekolonie. Klei-Herta wurde häufig zu den Dreharbeiten geholt und somit zu einer Hauptdarstellerin des Film "Land in der Sonne". Mit Hilfe von zwei größeren Mädchen lernte sie dort als kleines Kind auch schon schwimmen. Als "Auftriebshilfe" dienten aneinander gebundene, zugelötete, leere Blechdosen. Nach ihrer Einschulung mußte sich meine Mutter täglich mit der Fähre übersetzen lassen, um dann vom Bahnhof Baumschulenweg mit einem Dampfzug zum Görlitzer Bahnhof zu fahren und danach einen Fußweg von fünfzehn Minuten bis zur Schule zurücklegen. Inzwischen waren die Mitglieder der aus Posen kommenden Familie auch wieder richtige Deutsche geworden. Am 20. Juli 1923 erhielten sie die Optionsurkunde. "Auf Grund des Artikels 91 des Vertrages von Versailles hat Reinhold Janetzky durch die am 3. Januar 1922 vor dem Polizeipräsidenten in Berlin abgegebene Erklärung wirksam für die deutsche Reichsangehörigkeit optiert. Die Wirkung erstreckt sich auf seine Ehefrau Lydia geb. Dohnke und die Kinder Hermann und Herta."
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Familiengeschichte von Otto und Herta Schier
Item 88
Transcription: 31 angestammten Platz vor dem Reichstag. 1938 wird sie von dort an den Großen Stern umgesetzt. 1922 legten sich meine Großeltern eine Laube in Wilhelmstrand zu. Diese noch heute bestehende Laubekolonie liegt direkt an der Spree und wurde im derben Berliner Volksmund "Krebsjauche" genannt. Im Sommerhalbjahr wohnte man dort.
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Familiengeschichte von Otto und Herta Schier
Item 87
Transcription: 30 Aus dieser Zeit stammten auch die vielen Geweihe, die eine Zeit lang unsere Veranda zierten. Die späteren Auswirkungen des verlorenen Krieges hatten für sie aber einschneidende Folgen. Die territorialen Bestimmungen des Versailler Vertrages sahen vor, daß die Region Posen mit einer Fläche von 26042 km2 und rund 1,9 Mio. Einwohnern, von denen ein Drittel deutsch sprachen, an Polen abgetreten wurde. Das bedeutete nun nicht, daß man diese Gebiete verlassen mußte, aber man mußte die polnische Staatsbürgerschaft annehmen. Das taten der Bruder meines Opas sowie dessen Sohn mit Familie, denn sie hatten ja den Hof von den Urgroßeltern geerbt und wollten ihn nicht hergeben. Die Kinder lernten in der Schule Polnisch und unterhielten sich untereinander auch so. Wenn sie z.B. auf die Eltern schimpften, konnten die fast nichts verstehen. Auch die Mutter und die Schwester meiner Oma mit Familie wurden vorübergehend Polen wegen des bäuerlichen Anwesens. Ein Cousin meiner Mutter absolvierte sogar den polnischen Militärdienst. Meine Großeltern wollten diese Umstellung allerdings nicht mitmachen, und so siedelten sie 1920 nach Berlin um. Dort lebten schon zwei Stiefgeschwister meiner Oma. Zum einen der Halbbruder Eduard, zum anderen Hitzigs, eine Halbschwester mit Mann. Bei Letzteren arbeitete Tante Elly als Schneiderin. Hitzigs besorgten auch eine Wohnung in ihrer Nachbarschaft. Meine Großeltern wohnten in der Pflügerstraße in Neukölln, die erwandten im selben (Eck-)Haus in der Pannierstraße. Daß meine Großeltern, obwohl in Neukölln wohnend, gleich Berliner wurden lag daran, daß im April 1920 per Abstimmung der Preußischen Landesversammlung die Bildung einer neuen Stadtgemeinde Berlin beschlossen wurde. Das neue Groß-Berlin umfaßt 20 Verwaltungseinheiten. Die bisher selbständigen Städte wie Spandau, Charlottenburg, Wilmersdorf oder Neukölln bilden eigene Bezirke, während benachbarte Dörfer, Gemeinden und Gutsbezirke zu neuen Bezirken zusammengelegt werden. Die Stadt Berlin steht nun im Weltmaßstab an zweiter Stelle bezüglich der Fläche und an vierter Stelle in Bezug auf die Bevölkerungszahl. Sie ist Weltstadt. Und die 1873 errichtete Siegessäule befindet sich noch auf ihrem
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Familiengeschichte von Otto und Herta Schier
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Description: Die Beiträgerin Edelgard Serick (geb. Schier) - zu sehen rechts auf ihrem Einschulungsfoto mit ihrer Freundin Ingrid, schreibt: "Vor über 20 Jahren habe ich für meine Kinder und Enkel unsere Familiengeschichte aufgeschrieben. Der erste der fünf Teile umfasst die Zeit von meiner Geburt Ende 1944 bis zu Einschulung 1950 (basierend im wesentlichen auf Erinnerungen meiner Mutter). Vielleicht ist Einiges ja interessant für Ihre Thematik '80 Jahre Kriegsende – Befreiung Europas'." Edelgard Serick wurde am 26. Oktober 1944 in Berlin als Tochter von Adolf Franz Otto Schier (1906 – 1984) und Margarete Anna Herta Schier, geb. Janetzky (1919 – 2011) geboren. In dieser Zeit arbeitete ihr Vater bei der DVL (Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt) und ihre Mutter bei der Sparkasse in Eichenwalde. Ihr Vater wurde durch seine Tätigkeit bei einem kriegswichtigen Betrieb nicht eingezogen. Gegen Kriegsende wurde er jedoch Mitglied des Volkssturmes und übernahm den Wachdienst während Luftangriffen in seinem Betrieb. Sein Arbeitgeber forderte einen Teil der Belegschaft auf, vor der Roten Armee in eine Zweigstelle der DVL nach Travemünde zu fliehen. Dort erlebte er das Ende des Krieges. Nach Kriegsende waren in der Siedlung in Berlin-Johannisthal, in der Edelgard Sericks Familie lebte, viele Häuser von russischen Soldaten besetzt. Da auch das Haus der Familie Serick besetzt worden war, lebten sie vorübergehend bei einer Nachbarin. Ihre Mutter erinnert sich an einen einfachen Soldaten aus Leningrad (heute St. Petersburg), der von ihr Deutsch lernen wollte. Er brachte heimlich ihrer Tochter Edelgard Lebensmittel mit. Ab Kriegsende bis einschließlich 1949 war ihr Vater bei der von der sowjetischen Besatzungsmacht errichteten ATB (Auto-Technischer Betrieb) angestellt. Zunächst legte er hier Maschinenteile für den Transport in die Sowjetunion auseinander, später erhielt er einen Verwaltungsposten im Unternehmen. Der Job brachte einen besonderen Vorteil: Neben den Lebensmittelkarten gab es jeden Monat eine Sonderration, die je nach Position unterschiedlich großzügig ausfielen. Ab 1949 arbeitete in einem neugegründeten technischen Betrieb. Während ihr Vater an den Maschinen arbeitete, machte sich ihre Mutter auf den Weg ins Berliner Umland, um Lebensmittel zu besorgen – wie viele Berliner damals. Die Unterlagen stammen aus dem Zeitraum von 1945 bis 1950. Sie enthalten mehrheitlich Dokumente des Vaters: Arbeitszeugnisse, ein Bericht des Vaters über das Büro des neuen Betriebs aus dem Jahr 1949, eine Ausweiskarte und ein polizeiliches Führungszeugnis sowie Bankdokumente von Edelgard Serick und ein Foto von ihrer Einschulung aus dem Jahr 1950. Der erste Teil der Familienerinnerungen von Edelgard Serick ist ebenfalls in der Story enthalten.
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Brief von Philipp Reemtsma an Wolf Erwin Alexander von Waldow
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Description: Der Brief stammt aus dem Nachlass meines Großvaters, Wolf Erwin Alexander von Waldow. Er war seit 1938/39 für die Firma Reemtsma, Hamburg, tätig und dort für den Bereich Orienttabake zuständig. Nach familiärer Überlieferung bestand ein gutes Verhältnis zur Familie Reemtsma. Nach dem Zweiten Weltkrieg musste mein Großvater das Unternehmen verlassen. Als Grund wird einerseits genannt, dass es für Orienttabake keine Abnehmer mehr gab. Eine alternative Überlieferung besagt, dass er seinen Posten zugunsten eines jüdischen Mitarbeiters räumen sollte, der 1938 emigriert war und nach Kriegsende zurückkehrte.
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Kennkarte Anna Weyland aus Mannheim von 1946
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Description: Kennkarte mit Foto, ausgestellt 10.9.1946 in Mannheim, gültig bis 10.9.1951. Gestempelt vom 10.POl.-Revier Mannheim mit Unterschrift des ausfertigenden Beamten. Gestempelt auf der Rückseite "politisch überprüft" vom Polizeipräsidium Mannheim und Datum 30.12.1947
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Postkarte, Urlaubsgrüße aus Westerland, Sylt von Lilo an Helga und Ilse Daume in Dresden, 08.08.1948
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Description: Lilo schreibt an Helga und Ilse Daume von ihrem Urlaub auf Sylt im Sommer 1948.
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Familiengeschichte von Otto und Herta Schier
Item 90
Description: Options-Urkunde zur Aufnahme in das Deutsche Reich.
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Familiengeschichte von Otto und Herta Schier
Item 89
Description: Familienfoto, Untertitel "Opa und Oma mit den Kindern Hermann und Herta"
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Familiengeschichte von Otto und Herta Schier
Item 88
Description: Kartenausschnitt von Berlin, rund um "Unter den Linden"
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